Geschichte von Rhodiola Rosea
Das Adaptogen aus Sibirien
Der griechische Arzt "Dioskurides" war der Erste, der die medizinische Anwendung von "rodia riza" im Jahr 77 n. Chr. in seinem grossen Werk "materia medica" beschrieb. Wegen des rosenartigen Geruchs des frisch angeschnittenen Wurzelstocks gab der schwedische Botaniker Carl von Linné dieser Pflanze den Namen Rhodiola rosea.
Die Franzosen und Schweden setzten die Arzneipflanze Rhodiola rosea im 18. und 19. Jahrhundert medizinisch ein. Bereits 1775 fand die Pflanze Eingang in die Schwedische Pharmakopoe. Seit 1969 wird in Russland, seit 1985 in Schweden Rhodiola rosea medizinisch eingesetzt.
Die Volksmedizin in Russland und in den skandinavischen Ländern verwendete diese Pflanze über viele Jahrhunderte. Bereits die Wikinger setzten Rhodiola rosea zur Stärkung ihrer Kräfte und Ausdauer ein. Eskimos und Lappen essen die Blätter dieser arktischen Nutzpflanze wegen ihrer anregenden Wirkung noch heute. Carl von Linné (1707-1778) führte als Anwendungsgebiete Migräne und Kopfschmerzen an. Zwischen 1775 und 1960 erwähnt die wissenschaftliche Literatur Schwedens, Norwegens, Islands, Russlands, Frankreichs und Deutschlands verschiedene medizinische Anwendungen zur Erhaltung der Gesundheit.
Seit 1960 wurden mehr als 180 pharmakologische, phytochemische und klinische Untersuchungen veröffentlicht. Die meisten davon entweder in slawischer oder skandinavischer Sprache; deshalb blieben die Ergebnisse im übrigen Europa weitgehend unbekannt.
Rhodiola rosea ist im deutschsprachigen Raum meist unter Rosenwurz bekannt und heisst in England "Golden Root", "Arctic Root" oder "Roseroot", in Schweden "Rosenrod" und in Frankreich "Rhodiole rose".
Carl von Linné
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Rhodiola wird in Russland intensiv erforscht
Die Verwendung von Rhodiola rosea in der traditionellen Volksmedizin ist vielfältig. Sie soll die körperliche Ausdauer erhöhen, die Arbeitsleistung steigern, langes Leben ermöglichen, Höhenkrankheit verhindern, Müdigkeit, Blutarmut, Impotenz, gastrointestinale Beschwerden, Infektionen und nervöse Störungen bekämpfen. In den Bergtälern Sibiriens erhielt das Brautpaar bei der Hochzeit ein Bündel der Wurzelknollen, damit sie viele, gesunde Kinder bekommen sollten. In Mittelasien war der Tee aus Rhodiola rosea das probate Mittel gegen Erkältung, Schnupfen und Husten während der strengen Winter. Jahrhundertelang war nur einzelnen Familienmitgliedern der asiatischen Völker bekannt, wo die Wurzel geerntet und wie sie extrahiert werden konnte. Die chinesischen Kaiser nannten sie ehrfurchtsvoll "Goldene Wurzel".
1961 fand der russische Botaniker G. V. Krylov vom Botanischen Institut von Novosibirsk auf einer Expedition in das Altai-Gebirge in Südsibirien grosse Gebiete, in denen die "Goldenen Wurzeln" wuchsen. Auch erfuhr er von den Einwohnern, dass der Extrakt aus dieser Pflanze vor geistigem und körperlichem Stress, Giften und Erkältungen schützt.
Seit 1969 ist Rhodiola rosea fester Bestandteil der offiziellen Medizin der Sowjetunion. 1975 führte das Sowjetische Ministerium für Gesundheit mit dem Präparat "Rhodiola Extrakt Flüssig" einen alkoholischen Extrakt gegen Müdigkeit, Infektionskrankheiten und zur Erhöhung der Vitalität, des Gedächtnisses und der Arbeitsleistung ein.
In Schweden wurde Rhodiola rosea im Jahr 1985 als pflanzliches Medizinprodukt eingeführt und im Phytomedizinischen Handbuch für Pharmazeuten als ein Mittel gegen Müdigkeit und Abgeschlagenheit beschrieben. 6 Gruppen von Inhaltsstoffen sind inzwischen bekannt: Phenylpropanoide, Phenylethanoide, Flavonoide, Monoterpene, Triterpene und phenolische Säuren.
Standardisierung des Extrakts in 2 Stufen
Die Standardisierung des Extrakts von Rhodiola rosea verlief in zwei Stufen. In den Jahren um 1970 wurde Salidrosid aus der Gruppe der Phenylethanoide als Hauptwirkstoff angesehen. Die russische Arzneibuch-Kommission verlangte einen Gehalt von mindestens 0,8 Prozent Salidrosid für Tinkturen und Extrakte.
Im letzten Jahrhundert fanden auf Grund wachsender Nachfrage auch andere Rhodiola-Arten Verwendung. Einige Arten waren pharmakologisch wirkungslos, andere hingegen wirkten sogar besser als reiner Extrakt. 1986 konnten russische Wissenschaftler nachweisen, dass Rhodiola rosea und auch die anderen wirksamen Arten 3 Zimtalkoholderivate Rosavin, Rosin und Rosarin enthalten. Sie stammen aus der Gruppe der Phenylpropanoide und wurden unter dem Begriff Rosavine zusammengefasst. Die überarbeitete Sowjetische Pharmakopoe von 1989 zieht sowohl Salidrosid in mindestens 0,8 bis 1 Prozent als auch Rosavin in mindestens 3 Prozent zur Standardisierung heran. Immer wieder kommen Fälschungen auf den Markt. Die echte Rhodiola rosea lässt sich nur so identifizieren: Sie enthält Rosavine und Salidrosid stets im Verhältnis 3 zu 1.
Schutz vor freien Radikalen
Ein Übermass an freien Radikalen schädigt Gehirnzellen und gilt als eine der Ursachen für das altersbedingte Absinken der geistigen Leistungsfähigkeit. Rhodiola rosea enthält eine Reihe antioxidativer Stoffe, die die Gehirnzellen vor den schädlichen Einflüssen freier Radikale schützt.
Das Neurologische Institut der Armenischen Staats-Universität in Yeriwan hat in einer randomisierten Doppelblindstudie an 54 Ärzten untersucht, wie sich Rhodiola rosea auf die geistige Leistungsfähigkeit sowie die stressinduzierte Ermüdung während der Dienstzeiten mit wiederholten Nachtschichten auswirkt. Nach einer mehrwöchigen Testperiode verringerte die Pflanze die Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit während den wiederholten Nachtdiensten um fast 20 Prozent. Ähnlich positive Ergebnisse ergab eine Untersuchung mit 40 Studenten. Eine ebenfalls randomisierte, doppelblinde und Placebo kontrollierte Studie prüfte den Einfluss von Rhodiola rosea auf die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit während einer Prüfungsperiode. Rhodiola rosea konnte auch hier die geistige Leistungsfähigkeit, die neuromotorischen Fähigkeiten eindeutig steigern, sowie die allgemeine Gesundheit verbessern. Dies zeigte sich auch an den besseren Examensnoten.
Mehr Kraft für Gestresste
Im Jahr 2000 führte das Zentrum für Gesundheit und Epidemiologie des Gesundheitsministeriums in Moskau eine randomisierte, doppelblinde, Placebo kontrollierte klinische Studie mit 161 russischen Kadetten eines Institutes des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation durch. Es wurden vier Gruppen gebildet: Zwei Verum-Gruppen, eine Placebo- und eine Kontroll-Gruppe. Die Probanden der zwei Verum-Gruppen nahmen Rhodiola rosea in unterschiedlichen Dosierungen ein. Es zeigte sich, dass in den Rhodiola-Gruppen die Probanden unter Stress deutlich weniger ermüdeten und bessere mentale Funktionen zeigten, als die in der Kontrollgruppe.
Heute wären Forschungen auf der Basis kontrollierter klinischer Studien nach modernen Standards wünschenswert. Diese müssten sich mit den beschriebenen positiven Erscheinungen der Pflanze befassen, die Wirkweise und damit auch den medizinischen Einsatz der "Goldenen Wurzel" klären, um dieser Pflanze den verdienten Stellenwert einzuräumen. Wegen der fehlenden klinischen Studien können ihre Extrakte zur Zeit nur als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt werden.

